Vorbemerkung:
Board Deutschland veranstaltet in unregelmäßigen Abständen virtuelle CFO-Roundtable Diskussionen zu aktuellen Themen. Die Diskussionen werden nicht aufgezeichnet. Dadurch wollen wir gewährleisten, dass die Teilnehmenden ihre Erfahrungen und Meinungen frei austauschen können, ohne befürchten zu müssen, nicht autorisierte Aussagen über ihre Unternehmen zu tätigen, die dann später belegt werden könnten. Trotzdem möchten wir die interessantesten Erkenntnisse aus diesen Diskussionen gerne zusammenfassend darstellen. Die Aussagen werden nicht einzelnen Personen oder Unternehmen zugeordnet, sondern es steht der Inhalt der Aussagen im Mittelpunkt.
In einer zunehmend dynamischen Unternehmenslandschaft steht die Finanzabteilung nicht mehr nur für Zahlen und Berichterstattung – sie wird zunehmend auch zum zentralen Treiber der Transformation. Beim CFO Roundtable wurde diese Entwicklung intensiv diskutiert. Im Mittelpunkt stand der Impulsvortrag von Marianne Bäumle, die am Beispiel von KUKA zeigte, wie Finance die Zukunft eines Unternehmens gestaltet. Die Diskussion unter hochrangigen CFOs und leitenden Verantwortlichen aus dem Finanzbereich beleuchtete zudem Herausforderungen, Erfolgsfaktoren und konkrete Ansätze, um Change-Prozesse nachhaltig zu implementieren.
Change als Marathon: Die Bedeutung der Finanzabteilung
Veränderung ist keine kurzfristige Aufgabe, sondern erfordert einen langfristigen Prozess. Unternehmen, die den Wandel erfolgreich meistern wollen, müssen eine Kultur schaffen, die Veränderungen nicht als Bedrohung, sondern als Chance begreift. Dabei beginnt und endet dieser Wandel in den meisten Unternehmen mit der Finanzabteilung – sie setzt Impulse, misst Erfolge und sorgt für nachhaltige Umsetzung.
KUKA als Vorbild für eine erfolgreiche Finance-Transformation
Marianne Bäumle, verantwortlich für die Transformation beim Roboterhersteller KUKA, schilderte eindrucksvoll, wie das Unternehmen den Transformationsprozess angestoßen hat. „Der Finanzbereich wurde als strategischer Werttreiber neu definiert. Die Mission lautet: Finance is Discoverer and Creator of Value in KUKA.“
Dahinter stand ein klares Zielbild für den Finanzberiech bei KUKA:
- Business Partnering: Finance soll nicht nur Zahlen liefern, sondern als Sparringspartner des Business agieren.
- Erfolgstreiber durch Speed & Execution: Die Finanzabteilung muss schnelle, präzise Entscheidungen ermöglichen.
- Effiziente Prozesse: Standardisierte Abläufe schaffen Transparenz und Effizienz.
- Risk Management und Compliance: Finance sichert die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
- Globale Zusammenarbeit: Ein integriertes Finanzteam, das weltweit einheitlich agiert.
Ein zentraler Erfolgsfaktor war die kritische Selbstbewertung: Wo steht die Finanzabteilung im Vergleich zu anderen Unternehmen? Welche Erwartungen haben die internen Stakeholder? Und welches Budget sowie welcher Zeitrahmen stehen für die Transformation zur Verfügung? KUKA entschied sich bewusst gegen eine umfassende externe Beratung sondern setzte auf interne Ressourcen, um die Transformation tief in der Organisation zu verankern.
Die fünf Kernelemente einer erfolgreichen Finanztransformation
- Technologische Grundlage: Ein effizientes Datenmanagement ist essenziell. Bei KUKA wurden 23 verschiedene ERP-Systeme auf weniger als zehn reduziert. Eine zentrale „One Source of Truth“ auf Basis eines Azure Data Lake schafft die notwendige Datenqualität.
- Wertorientierte Organisation: Finanzabteilungen müssen sich auf Werttreiber fokussieren, statt nur vergangenheitsorientierte Reports zu erstellen. Dashboards und Analysen helfen, Geschäftsentscheidungen aktiv zu steuern.
- Mitarbeiter als Erfolgsfaktor: Transformation gelingt nur, wenn Menschen mitgenommen werden. KUKA setzt auf eine transparente Job-Architektur und gezielte Karriereförderung, um Talente langfristig zu binden.
- Effiziente Prozesse: Best Practices und klare KPI-Definitionen sorgen für Akzeptanz bei der Geschäftsführung.
- Governance: Ohne klare Verantwortlichkeiten scheitern Transformationsprozesse. Konsequente Steuerung und Umsetzung sind entscheidend.
Herausforderungen bei der Umsetzung
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Transformation oft durch bestehende Strukturen ausgebremst wird. Historisch gewachsene Prozesse und Systeme bieten Sicherheit, können aber auch hinderlich sein. Gleichzeitig wird Finance durch ihre Datenhoheit zu einem zentralen Owner der Transformation. Eine durchdachte, zukunftsgerichtete Strategie ist essenziell, da Transformation nicht einmalig abgeschlossen ist – sie bleibt ein kontinuierlicher Prozess.
Ein häufig übersehener Aspekt ist die enge Verzahnung von Finance mit IT und HR. „Wir dürfen nicht in Tools denken, sondern in Prozessen und Nutzen“, lautete ein Fazit der Diskussion. IT ist ein wesentlicher Enabler. Jedoch gibt es häufig gerade an der Schnittstelle zu den Fachabteilungen Missverständnisse. Die Lösung: Es braucht sowohl Fachanwender mit IT-Kenntnissen als auch IT-Manager mit Verständnis für das Business.
Erfolgsmessung und Kommunikation als Schlüssel
Wie misst man den Erfolg einer Transformation? Neben finanziellen Kennzahlen wie den Finanzkosten am Umsatz spielen auch weiche Faktoren eine Rolle, beispielsweise Stakeholder-Befragungen zur Zufriedenheit. Entscheidend ist zudem eine kontinuierliche und transparente Kommunikation:
- Die Transformation muss in die gesamte Organisation getragen werden.
- Mitarbeiterschulungen wie „Finance für Nicht-Finance-Mitarbeiter“ helfen, das Verständnis für Finanzprozesse zu stärken.
- Offene und kontinuierliche Kommunikation über Veränderungsprozesse und deren Auswirkungen schafft Transparenz und damit auch Akzeptanz.
Fazit: Finance als strategischer Enabler
Finance darf nicht länger als Datenlieferant und reine Kostenstelle betrachtet werden. Vielmehr bestimmt sie maßgeblich, wie schnell ein Unternehmen auf Marktveränderungen reagieren kann. Sie bringt Silos zusammen und sorgt für eine übergreifende Strategie. Eine erfolgreiche Transformation erfordert Geduld, klare Verantwortlichkeiten und eine Unternehmenskultur, die Veränderungen unterstützt.
Die Diskussion beim CFO Roundtable hat gezeigt: Unternehmen, die Finance als aktiven Treiber begreifen, sind in der Lage, sich langfristig im Wettbewerb zu behaupten. Dabei bleibt Change immer eine Herausforderung – aber eine, die sich mit der richtigen Strategie und pragmatischen Ansätzen erfolgreich bewältigen lässt.